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Interview mit Geza Schön


«Wie Proust, bloß umgekehrt»


Mit Molecule 01 hat Geza Schoen ein Parfum geschaffen, das so ungewöhnlich war, dass kein Konzern es vertreiben wollte.
Melanie dal Canton hat den aufgeklärten Romantiker unter den Parfumeuren in seinem Labor besucht.


Dein Molecule 5 zu dem es wie immer auch den Komplementärduft Escentric 05 gibt, enthält als wesentlichen Bestandteil Cashmeran, wieder synthetischer Holzduftstoff. Ist das dein Kennzeichen?

(GEZA SCHOEN)
Holzig sind letztendlich alle aus der Molecule-Serie — Das erste enthält einen Zedernholzriechstoff, das zweite hatte eine Ambranote, aber auch die wirkte deutlich holzig und trocken, das dritte enthielt Vetiverethylacetat — auch wieder ein sehr holziger Geruch. Javanol, also Sandelholz, im vierten hat zwar eine andere Charakteristik, ist aber im Weitesten Sinne auch ein Holzduft. Cashmeran jetzt, im fünften Teil der Serie, entspricht nicht direkt einer bestimmten Holzsorte, obwohl Chashmeran eine fichtige Komponente transportiert, aber halt auch eine Moschusnote. Und das steht im Gegensatz zu den anderen Holznoten, bringt etwas weiches mit. Ein Duft, der einen einhüllt und warm umfängt.  

Kann man nicht auch Erdbeeraroma aus frisch gesägtem Holz gewinnen?

Na ja, wenn man bestimmte Hölzer in Späne zerkleinert und diese Späne mit bestimmten Stoffen zusammenbringt, lassen sich zum einen aus diesen Holzpartikeln Duftstoffe extrahieren, zum anderen lässt sich sogar ein chemischer Prozess in Gang setzen, der wiederum über bestimmte Bakterien ein tolles Aroma erzeugt. Dass man aus Holz das Aroma von Erdbeeren gewinnt, hört sich erstmal abwertend an. Weil es so profan dargestellt wird. Aber es gibt viele unterschiedliche Methoden, um an bestimmte synthetische Riechstoffe oder auch an bestimmte Teile eines Naturproduktes zu gelangen. Das ist ein Riesenmarkt, und auch sehr spannend nebenbei, weil man mittlerweile ein ätherisches Öl auch fraktionieren kann. Das heißt, man kann es aufteilen in seine Komponenten, um beispielsweise den negativen Bestandteil eines ätherischen Öles zu eliminieren. Den schneidest du einfach heraus.

Wie bei der Genmanipulation?

Ja. Aber halt nur mit einer olfaktorischen Komponente. Zum Beispiel wird Patschuli immer schon eingesetzt, aber das Öl hat eine scharfe, medizinische Kopfnote. Die lässt sich mittlerweile entfernen und man erhält dadurch ein störungsfreies Patschuli. 

In meiner Jugend gab es eine gewisse Sorte Mädchen, die liebten indische Tücher und die rochen dann auch immer nach Patschuli. Das hat ja auch etwas erstickendes, und ich werde wohl speziell Patschuli nie mehr unschuldig wahrnehmen können. Wenn du arbeitest, wie bedienst du dann deine Palette von Grundstoffen — wie entsteht dieser Weg, auf dem du dann gehst?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei Escentric 05 sollte ein Abbild entstehen einer Landschaft und eines Ortes. 


Aha? Und welcher Ort war das? 

Da ging es um ein kleines Steinhaus, das bei Sóller auf Mallorca steht. Auf 300 Metern, aber nahe am Meer. Von dort hat man einen 180°-Blick auf das Wasser. Die Atmosphäre dort hat eine Dimension, wie ich sie bislang noch nicht gespürt habe: Sehr erhaben. Hat mich die Demut gelehrt. Und dort gibt es einen Steinweg, über den man zu dem Haus gelangen kann. Vom Wegesrand strömen alle möglichen Aromen auf dich ein, während du gehst. Kommt man oben an, stand dort ein Feigenbaum. Vor einem halben Jahr wurde er allerdings in einem Regensturm stark beschädigt, so dass ich ihn absägen musste. Aber ich erinnere noch seinen Geruch. Und dazu dann vor allem Cashmeran als Wurzel des Ganzen, weil es dort in der Umgebung des Hauses viele Fichten gibt. Gleich nach den Wiesen, wo die Landschaft in ein Gebirge übergeht. Die Fichten haben einen gewissen Einfluss auf das Aroma dieser Landschaft plus die anderen Bäume und Sträucher, die dort seit Jahrhunderten wachsen und 300 Tage im Jahr der Sonne ausgesetzt sind, dann kommt sintflutartiger Regen. Ein extremes Klima, in dem diese Pflanzen gedeihen — und die ganze Zeit über schauen sie aufs Mittelmeer. Das hat mich inspiriert. Dazu das Labdanum, ein duftendes Harz, das die Sonnenhitze aus den Zweigen der Zistrosen treibt. Der Rosmarin, der überall wächst.

Wenn der dann warm wird von der Sonne, stelle ich mir dazu vor. Dazu die Kiefernnadeln, der Boden, der elastisch vibriert bei jedem Schritt.  

Und dazu kommt tatsächlich ein sehr blumiger Geruchseindruck, dem ich nie in Gänze nachgegangen bin: der Geruch von Linalool. Das ist einer der wichtigsten Inhaltsstoffe einer jeden Blume. Der Stoff transportiert Frische und Leichtigkeit, sein Duft wird als sehr angenehm empfunden. Dieser Duft wehte bisweilen auch über diesen Weg zum kleinen Haus und ich weiß bis heute nicht, von welcher Blume er wohl abgedampft ist. Er ist zum Teil meiner Erinnerung an diesen Ort geworden. Mit den 15 % Cashmeran, die Escentric 05 enthält, sind all diese Teile mit enthalten, so dass es zu einem Sommerduft geworden ist — ohne jegliche maritime oder aquatische Elemente, die üblicherweise für einen Sommerduft stehen. Weil ich mich dazu entschlossen habe, das alles wegzulassen, weil sie meinen starken Eindruck bloß verfälschen, beziehungsweise künstlich wirken ließen.

Das heißt doch, dass Du genau umgekehrt arbeitest wie Marcel Proust in der Suche: Der läßt seinen Erzähler beim Aroma von Butterbisquit und Lindenblütentee eine ganze Welt aus der Erinnerung entstehen, du machst aus der Erinnerung an eine Welt einen Duft. 

Idealerweise mit möglichst vielen nachempfindbaren Geruchseindrücken, ja. Und das Ganze dann eingebettet in ein parfümistisches Grundgerüst. Wenn ich die erinnerte Welt nur naturalistisch nachstelle, wäre sie ein bisschen grob geworden — Basilikum, Rosmarin, Lorbeer, Fichte und Wachholder: Wen man diese herbalen Komponenten für sich alleine stehen lässt, riecht das wie ein Saunaaufguss. Ich habe die dann eingebettet ein Noten von Zitrone, Orange, Mandarine — auch sehr mittelmeerlastig. Und die zitrischen Töne beleben die Wärme, die vom Cashmeran und den aromatischen Noten kommt. Die machen den Eindruck vom Mittelmeerraum auch nachvollziehbar.

Wie der Rosmarin, der dann dabei sein muss. 

Wahrscheinlich wirkt der Duft aber deshalb auch so ungewöhnlich, weil ich ihn reduziert habe auf diese wenigen Elemente, die man dort bei dem kleinen Haus tatsächlich mitbekommt, wenn man seine Nase aufmacht. Dort riecht es bisweilen!

Seit wann gibt es diese anderen Parfums, wie du sie machst? Seit wann wollen die Menschen nicht mehr wie pudrige Blumensträuße riechen? 

Da gab es verschiedene Einflüsse. Bis in die neunziger Jahre hinein, war die Branche sehr kommerziell geprägt. Aber es gab natürlich auch großartige Düfte — «Pleasures» zum Beispiel, 1994 durch Estée Lauder veröffentlicht: roch super! Die ersten, die der kommerziellen Ausrichtung entgegengestrebt sind, waren sicherlich Comme des Garçons, die Weihrauch als Duftstoff eingesetzt haben. Und Frédéric Malle — Der hat den ersten Nischen-Brand gegründet, einen Verlag, bei dem der Parfumeur in den Mittelpunkt gestellt wurde als Autor. Sein Programm ist auch dahingehend von Anfang an interessant, weil er thematische Parfums macht, bei denen dann zum Beispiel ein Naturprodukt im Zentrum wirkt. 2005 haben wir dann angefangen mit dem konkreten Hinweis auf die Synthese. Schon mit dem Namen: Molecule. Das Molekül riecht gut, dafür bekommt man die Komplimente. Und dieser intellektuelle Ansatz einer Hommage an das Molekül hat funktioniert. Ein Freak, ein Künstler, der an sich keinen Duft tragen will der trägt das Molekül. Der Fokus auf die Synthese hat mit Sicherheit noch einmal Veränderung in die Branche gebracht. Zeitgleich kamen Byredo und Kilian auf den Markt. Ein paar Jahre später Le Labo, Nomenclature, Aether und so weiter. Seitdem herrscht eine Experimentierfreudigkeit, die es vorher nicht gab. Weil Parfums wie Accessoires an bestimmte Designer, bestimmte Marken gebunden waren. Jetzt ging es aber nicht mehr um ein Image von Calvin Klein oder Giorgio Armani mit einer nackten Frau am Strand und dem Duft dazu. 

In der Situation, in der wir derzeit leben haben ja viele plötzlich ein ungewollt enges Verhältnis zum Duft von Drogeriemarktflüssigseifen und Putzmitteln bekommen — Warum riechen die eigentlich alle so aufdringlich und stechend?  

Für bestimmte Reinigungsprodukte gibt es bestimmte Parfümöle, die den Eindruck von Sauberkeit und Frische vermitteln sollen. Das hat sich einfach eingebürgert. Diese Düfte sind übrigens in jedem Land auch anders. In Israel gibt es zum Beispiel Bodenreiniger mit der Duftnote «Oud», die Deutschen lieben Zitrone und so weiter. Generell wird der Eindruck von Frische am Einfachsten über Zitruskomponenten transportiert. Man könnte auch in diversen Blumenkomponenten Frische finden, die nicht zu süß wirkt, zu klebrig, oder — zu unpassend für das Thema Reinigung. Und es gibt synthetische Stoffe wie Moschus und bestimmte moosige und holzige Komponenten, die in solchen Produkten eingesetzt werden könnten. Das ist aber ein Prozess, der in der Branche stattfinden muss. In den siebziger und sechziger Jahren roch Waschmittel noch anders als heute. Da hat sich einiges getan. Aber es gibt halt auch den Faktor Geld. Für Reinigungsöle setzen die Hersteller keine teuren Parfümöle ein. 

Könntest du dir vorstellen, ein angenehm riechendes Desinfektionsmittel zu komponieren?

Man könnte das viel besser machen. Viel edler, viel schöner auch. Aber die Gestaltungfreiheit für diese Düfte ist dem Kommerz unterlegen.  Klar, könnte ich das jetzt auch noch machen, aber ich bin nach wie vor mit den Produkten für Escentric Molecules, aber auch mit der Serie The Beautiful Mind beschäftigt. Hier haben wir gerade mit der Arbeit an einem dritten Duft begonnen. Ich habe auch noch genug für die Industrie zu tun und für ausgesuchte Marken, für dich arbeite. Manchmal sage ich ja, manchmal nein. Aber noch mehr Produkte möchte ich eigentlich nicht mehr verantworten. 

Da du die ausgesuchten Marken erwähnst, sollten wir noch über Oloid sprechen: Welches Bild hattest du für diesen Duft vor Augen? 

Na ja, Du hattest mir ja schon genau gesagt, wo Du hinwillst. Zum einen war klar, dass wir viel Iso E Super und viel  Hedion verwenden wollen. Weil diese Komponenten für sich genommen wie Lockstoffe wirken. Bei Iso E Super ist das ja mittlerweile bewiesen worden durch Professor Hans Hatt, den Zellbiologen, der zeigen konnte, das dieses synthetische Molekül an einen der fünf noch verbliebenen Pheromon-Rezeptoren beim Menschen andockt. Dadurch entsteht eine physische, nachweisbare Anziehungskraft bei seinem Träger, dem die anderen erliegen. Zum anderen Hedion, ein wahrscheinlich noch schwieriger in die Nase zu kriegender Riechstoff, der, wenn man ihn beschreiben müsste, sehr blumig, frisch und transparent riecht. Das zwar leider nicht sehr stark, aber er steigert enorm die Sympathiewerte des Trägers. Man hat Studien getrieben, da wurden Testpersonen einander gegenüber an einen Tisch gesetzt, die auf der einen Seite Sitzenden waren mit Hedion eingesprüht — es gab einen extrem signifikanten Unterschied, wie die Menschen sich gegenseitig empfunden haben. Sehr sympathisch und unsympathisch. Den Effekt haben wir uns zunutze gemacht. Dazu ein sehr sauberer, floraler, frischer, grüner, leicht fruchtig und auch leicht sprudeliger Akkord in der Kopfnote. Der hat beinahe etwas von einer eiskalten Glasflasche mit Mineralwasser, die man aufschraubt, wenn man den Duft sprüht.

Der Duft wandelt sich über den Tag extrem schön. Abends, wenn die Farben des Tageslichts pudriger werden, bekommt er eine Hautwärmequalität. Morgens ist es ein Frischeknall.

Mit Oloid passiert genau das. Die frisch-mineralische Kopfnote verfliegt und was dann lange bleibt wird warm und erogen. Es sind einige sehr teure Moschusriechstoffe enthalten, die machen das Erlebnis hautig und sehr cremig warm, ohne aufdringlich zu wirken, weil das Parfum keine Süße verströmt. Es bleibt immer holzig, dabei transparent und leicht. Mit einem Hauch Waldmeister, den wolltest du ja unbedingt haben.               
 

 

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