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MDC Interview - Saskia Diez

Der Schmuck von Saskia Diez gehört seit den Anfangstagen zum festen Sortiment von MDC. Mit ihren reduzierten, sehr handwerklichen Entwürfen hat Saskia, die verblüffenderweise nicht in Hamburg oder Berlin lebt, sondern im barocken München, einen Stil mitbegründet, der sich wie natürlich in mein Konzept von Schönheit fügt.

Wie sie gleich selbst erzählen wird, hat sie, die in anderen Zeiten auf sehr viele Reisetage im Jahr gekommen ist, ihr Leben recht umfassend neu finden müssen. Der neuen Zeit entsprechend unterhielten wir uns am Telefon​.


Liebe Saskia, wir haben uns natürlich schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Wie hast Du die vergangene Zeit erlebt?

Es war ja schon auf der Fashion Week in Paris, Ende Februar zu spüren, dass sich etwas verändert hatte, weil viele der Kunden aus Asien nicht mehr gekommen waren. Auch viele Amerikaner nicht, übrigens. Die Italiener fehlten auch, aber dort habe ich auch kaum Kundschaft. 

Zur Erinnerung: Zu jener Zeit wurde das Risiko in Deutschland noch als gering eingeschätzt. Der Lockdown wurde am 22. März ausgerufen. 

In den vergangenen Jahren habe ich immer eine kleine Tour durch verschiedene Städte in Japan gemacht, dort alle Kunden besucht, die haben Store-Events veranstaltet, es gab Mitarbeiterschulungen et cetera. Das musste dann natürlich alles abgesagt werden. Die Kunden in Japan suchten den Kontakt zu mir. In Form von Nachrichten, die ich ihnen schicken könnte, mit speziell für sie angefertigten Bildern und auch Anleitungen, wie sie ihren Kunden meine Stücke nahebringen können. In Japan ist Online-Shopping nicht so beliebt wie bei uns beispielsweise. Die Japaner kaufen schon auch online, aber sie gehen sehr gerne in die Geschäfte. Das wird als großer Spaß erlebt. 

Man weiß dort das Zeremoniell des Verkaufs zu schätzen, stelle ich mir vor.

Ja genau. Und zuerst sah es ja auch so aus, als ob in Japan lediglich die Passagiere des «Diamond Princess» betroffen sein könnten, aber letztendlich mussten auch dort die Geschäfte schließen. Und eine ganze Reihe von Kunden haben ihre Orders fürs Erste zurückgestellt. Nicht bloß in Japan, auch amerikanische und europäische Kunden, deutsche ebenfalls. Wenn das Ladengeschäft geschlossen ist, merkt man deutlich, dass es viele Kunden gibt, deren Augenmerk nicht auf online liegt. 

Machst Du eine spezielle Kollektion für den japanischen Markt?

Nein. Manchmal bekommen sie Adaptionen, weil sie etwas Spezielles wünschen. Zum Beispiel eine spezielle Goldfarbe. 

Und hat man Dir erklärt, was an Deinen Schmuckstücken dem Schönheitsempfinden der Japaner entgegenkommt?

Japaner sind a) Fans von Reduktion und b) gibt es dort ein großes Verständnis für technische Lösungen. Für Handwerk. Für gute Verarbeitung. Zum Beispiel für eine gute Politur und für Kanten, die Kanten sind und nicht weggenudelt wurden. Japaner lieben Perlen und ich habe ein relativ breites Perl-Sortiment. Dazu kommt, wenn ich in Japan bin, komme ich dort mit meiner Persönlichkeit sehr gut zurecht. Ich finde Japan nicht sehr fremdartig.

Wie stünde Dein Unternehmen ohne das Geschäft mit dem Ausland da?

Der Laden hier in München ist ein sehr stabiles Standbein meines Unternehmens. Und der war für beinahe drei Monate geschlossen. In dieser Zeit haben bis auf eine einzige Person alle von zuhause aus gearbeitet. Ich bin hin- und hergependelt zwischen dem Beschulen meiner Kinder und der Arbeit im Büro. Im ersten Moment dachte ich, das haben, glaube ich, viele gedacht: Wie toll — also dass viele Präsenztermine damit ausgefallen sind. Vor allem die vielen Reisen. Ich fliege nicht gern. Und anfänglich habe ich auch gedacht, jetzt habe ich so richtig Zeit für eine große neue Kollektion.

Hattest Du nicht?

Theoretisch schon, aber a) war ich plötzlich konfrontiert mit der Verantwortung, die ich trage. Zunächst für die Kinder — zwei waren gerade aufs Gymnasium gekommen. Und das deutsche Schulsystem, das wurde jetzt klar, ist überhaupt nicht darauf ausgelegt, die Schüler online zu unterrichten. Danach kam gleich die Sorge um mein Team, dann um die Lieferanten, die Produzenten, die sich wiederum alle Sorgen machten, wie es weitergehen soll. An allen diesen Fronten hatte ich zu tun und musste dabei noch darauf achten, nicht selbst zu sehr von diesen Sorgen vereinnahmt zu werden. Sondern Sicherheit weitergeben zu können. 

Es gab ja anfänglich auch Fantasien, dass die Welt jetzt eine bessere würde, durch diese erste kollektive Erfahrung in der Menschheitsgeschichte.

Auch wenn es eine sehr anstrengende Zeit war, sie war auch ein Geschenk. Für mich die Zeit mit den Kindern, die ich auf diese Weise sonst nie hatte. Normalerweise hat man entweder zusammen als Familie frei, oder die Kinder sind in der Schule und man selbst arbeitet. Jetzt hat man gegenseitig viel mehr voneinander mitbekommen können. Und dann habe ich mich auch erlebt als zurückgeworfen auf mich selbst — ich lebe alleine, meistens mit den Kindern, aber natürlich nicht immer. Wo ich normalerweise vielleicht ausgegangen wäre, habe ich die Zeit mit mir verbracht. Ich habe sehr viel Yoga gemacht. Jeden Tag meditiert. Und natürlich: Wenn man jeden Tag mehrere Mahlzeiten kocht, ernährt man sich viel gesünder; probiert auch neue Gerichte aus, weil man die Standards bald nicht mehr sehen kann. Insgesamt war das trotz allem schon als Muße zu empfinden. Ich musste ja nicht mehr ständig irgendwo hin. Auf der äußeren Ebene ist sehr viel weniger passiert. 

Dafür in der Innenwelt.

Was ich überhaupt nicht gemacht habe, war zum Beispiel lesen. 

Gar nichts, kein Buch?

Nein, keines. Das war einfach nicht drin. Ich habe selbst geschrieben. Aber um zu lesen, dafür war nie Gelegenheit. Ich habe auch keine Filme angeschaut. Man war ja auch so isoliert — ich habe mich vielleicht einmal die Woche zum Telefonieren verabredet. Ich hatte auch gar keine Lust, zu plaudern. 

War das eine Zeit, in der Du eingeatmtet hast, während Du ansonsten eher ausatmest, sozusagen?

Ich glaube, ich bin auch ansonsten eher ein ruhiger Mensch. Aber ich bin ansonsten einfach viel unterwegs. Und höre vielen Menschen zu. Das fiel weg und dann war ich mit ganz anderen Dingen ausgelastet. Zum Beispiel war kurz vor dem Lockdown noch ein Fotoshooting angesetzt, um die neuen Stücke zu fotografieren, das musste natürlich abgesagt werden, aber trotzdem gab es die neuen Stücke und wir mussten überlegen, in welcher Form sich diese Kollektion kommunizieren ließe. Ich habe Instagram anders bespielt, weil ich mehr Wert auf meine Äußerungen legen wollte — nicht dass ich vorher achtlos mit diesem Sprachrohr umgegangen wäre!

Weil es sehr viel stiller geworden war, fielen die eigenen Äußerungen stärker ins Gewicht.

Ja. Ich habe dann ein paar Projekte umgesetzt, die ich immer aufgeschoben hatte. Zum Beispiel Anleitungen, wie man Schmuck pflegt; welcher Schmuck mit welchem getragen werden kann, wie man damit reist, wie man die Teile verpackt. Das kam gut an, ich hatte das Gefühl, die Leute haben eine größere Aufnahmebereitschaft. Ich habe viel positive Rückmeldungen bekommen.

Meine Kunden haben sich anfänglich gefragt, warum ich zur Kosmetik auch Deinen Schmuck anbiete. Die Frage wird mir immer wieder gestellt — Was fällt Dir dazu ein?

Schmuck hat diese besondere Eigenschaft, dass er aus Materialien besteht, die an sich wertbeständig sind. Und dazu kommt dann noch die Handarbeit. Schmuck kauft man auch nicht als vorübergehende Leidenschaft, er gehört, so gesehen, nicht zur Mode. Schmuck drückt das Selbstwertgefühl aus — in der schönstmöglichen Form. Etwas Schönes geschenkt zu bekommen, oder sich selbst zu gönnen, den Schmuck anzulegen — alle reden vom «Glow», der doch durch ein schönes Selbstwertgefühl richtig zum Strahlen kommt. Das kann man auch mit Kosmetik zum Ausdruck bringen, mit Düften: Dass man es sich wert ist, schön auszusehen. Von daher empfinde ich die beiden nicht weit voneinander entfernt.

Du hast auch eine Maskenkette entwickelt. Kam die Anregung dazu von Deinen Kunden?          

Nein, ich hatte zunächst selbst auch gar nicht in diese Richtung gedacht. Die Maskenpflicht wurde la lange diskutiert, irgendwie war es doch klar, dass sie irgendwann auch kommt. Ich habe aus alten Hemden ein paar einfache Masken für mich und die Kinder genäht, aber immer wenn man sie brauchte, hatte man sie nicht dabei. Also habe ich aus Reststücken von Ketten diese Maskenketten gemacht, damit man sich Masken um den Hals hängen kann. Das funktionierte besser und ich habe eine minimale Stückzahl von vielleicht zehn dieser Ketten in einem Post angeboten. Daraus hat sich dann auf einmal ein großes Ding entwickelt. Wir verkaufen seitdem wahnsinnig viele Masken und Maskenketten. Ich habe bei verschiedenen Lieferanten die Restposten von deren Kettenmaterial beschafft, damit ich weiterhin günstig bleiben kann. Die Masken näht eine Schneiderin, die ihr Atelier um die Ecke hat. Es gab immer wieder solche Momente, in denn alles gut zusammengepasst hat. Von daher war es eine spannende Zeit. Und die ist ja auch noch lange nicht um — einige unserer Produzenten und Lieferanten sind ja noch immer in Kurzarbeit. Die viel beschworenen Lieferketten …

Die Ketten lassen Dich nicht los! 

Wir produzieren ja sehr regional. Wenn alle in Kurzarbeit gehen, dann entsteht ein Aufschub, der abgearbeitet werden muss. Dann wartet man drei Wochen länger als gewohnt, oder vier. Und das zieht sich dann bis zum Ende der Kette durch. Wenn wir jetzt die Bestellungen losschicken, die nach Hongkong oder Japan gehen, dann liegen die teilweise wochenlang beim Zoll, weil die Zollstellen überlastet sind. Damit rechnet man nicht, weil es das noch nie gab. Und das ist dann wiederum das Gute: Es war ein Irrglaube, davon auszugehen, dass alles selbstverständlich ist. Ist es nämlich nicht!

Es müsste jetzt auch endlich klar werden, dass es kein Recht darauf gibt, dass alles wieder so weitergehen kann wie immer.

So wie immer braucht es auch gar nicht mehr zu werden. Manche Dinge natürlich schon, aber für mich war es zum Beispiel eine sehr gute Lehre, dass man eben nicht überall persönlich auftauchen muss. Manchmal reicht auch ein Videogespräch oder dergleichen. Man könnte dieses Reiseaufkommen der Leute extrem vermindern. Da würde ich mir sehr wünschen, dass es nicht mehr so werden wird wie immer. 

Aber man sieht doch jetzt schon wieder viele Deutsche, die haben sehnlich darauf gewartet sich mit vielen anderen zusammen in ein Flugzeug setzen zu dürfen, um in den Urlaub zu fliegen.

Ja, unglaublich. Vor Jahren war ich in Indien nach einem Design-Workshop bei einem Ayurveda-Arzt. Das A und O, hat er mir eingeschärft, wäre, an meiner täglichen Routine zu arbeiten. Also eine halbe Stunde am Tag Musikhören, an jedem Tag zehn Minuten meditieren, täglich eine habe Stunde Yoga, regelmäßig essen, immer zur gleichen Stunde ins Bett — so gut wie nichts davon konnte ich in meinem normalen Alltag verwirklichen. Man weiß ja, wie das ist: Einmal geht man bis spät aus, am nächsten Tag geht um sechs der Zug und so weiter… Natürlich freue ich mich, wenn ich jetzt wieder ein paar Sachen mehr machen kann. Aber es war schon ungesund, das Leben, wie es früher war.

Ich hoffe, dass die Modebranche dieses Wahnsinnssystem mit noch mehr Kollektionen nicht mehr wiederbeleben wird.

Jetzt war ja gerade die Online-Fashion-Week, ich habe keine Ahnung, wie das angenommen wird. An mir geht es so ziemlich vorbei. Ich habe das Gefühl, dass die Kunden gerade ein Bedürfnis nach Reduktion haben. Und auch bei mir selbst hatte es sich in den vergangenen anderthalb Jahren derart aufgeschaukelt, dass ich ständig das Gefühl hatte, ich hätte doch gerade erst neue Sachen präsentiert, da wurde ich schon wieder gefragt, wann ich neue Sachen präsentieren kann. Dazu kam, dass sich im vergangenen Jahr in mir ein Gefühl breit gemacht hatte, dass es insgesamt in die falsche Richtung geht. Die Kinder gingen jeden Freitag auf die Demos, man schaute genau auf seine Produktionsabläufe, wo man was wie besser machen könnte, was sich einsparen ließe, und auf der äußeren Ebene fühlte ich mich mehr und mehr zu einer Getriebenen. Das passte nicht mehr zusammen. Wenn wir aus dieser Zeit jetzt gar nichts gelernt hätten, fände ich das schlimm.

Eau de Parfum Gold by Saskia Diez, 50ml
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