B.K.-R. – Birgit Kaufmann-Rehm
Für einen Modedesigner bedeutet das Hemd ungefähr so etwas wie der Stuhl dem Architekten. Unter letzteren gilt: Irgendwann sollte man einen zumindest entworfen haben. Idealerweise wird er sogar zum Klassiker.
Und wie der Stuhl so gesehen die kleinste Einheit des Wohnens darstellt, fühlt man sich in einem frischen Hemd auch schon beinahe angezogen. Vorausgesetzt, das Hemd sitzt.
B.K.-R., das Label von Birgit Kaufmann-Rehm und Oskar Leo Kaufmann könnte von seinem schmucklosen, leicht sperrigen Namen her auch genauso gut ein Architekturbüro bezeichnen. Und tatsächlich ist Oskar Leo Kaufmann ja selbst Architekt. Birgit Kaufmann-Rehm hingegen hat im Laufe ihrer Karriere als Designerin und Schneiderin immer nur Kleidung entworfen und selbst auch genäht, war Head of Design und auch Head of Research. Immer nur für andere, vor allem für Kostas Mourkudis, für Clemens en August und für Woolford, aber heute, mit B.K.-R., tritt sie endlich selbst in die Öffentlichkeit.
Hemden, das Wort Blusen kommt in der Kollektion von B.K.-R. nicht vor, hat Birgit immer gerne getragen. Auf ihren Research-Reisen hat sie sich immer auch die Macharten der Hemden in anderen Kulturen genau angeschaut. Der Kollektion ist diese globale Interessiertheit, die Zugewandtheit vor allem, anzusehen: weder gibt es Hemden, die speziell nur für ein Geschlecht bestimmt scheinen, noch könnte man auf Anhieb feststellen, woher diese Kollektion überhaupt stammt. Also aus welchem Kreis.
Wie die meisten Kunstformen ist dieses Label zunächst aus dem privaten Bedürfnis heraus entstanden. Man sagt ja, Musiker spielen sich die Musik, die sie gerne hören würden, Schriftsteller schreiben sich Bücher, Maler malen sich et cetera. Birgit hat zunächst Hemden für ihren Mann Leo zugeschnitten und genäht. Dann auch für sich. Und immer mal wieder wurde der Kreis dann noch weiter.
„Am Anfang war die Idee noch ganz klein“, sagt sie. „Ich wollte jetzt nicht eine Brand starten mit einer Komplett-Kollektion, das kenn ich alles, ich weiß, wie das funktioniert.“ Lediglich aus den wesentlichen Teilen, aus denen, die man haben will, aber die es halt noch nicht gibt, sollte die Kollektion von B.K.-R. bestehen. Und das waren aus den oben erwähnten Gründen: Hemden.
Man muss nicht, aber an dieser Stelle passt es gut zu erwähnen, dass Birgit die Schwägerin ist von Susanne Kaufmann. Und dass sie zwar mit deren Bruder nicht direkt in Bezau wohnt, wo die Geschichte von Susanne Kaufmann ihren Anfang nahm im elterlichen Hotel „Zur Post“, sondern in einem benachbarten Ort namens Dornbirn. Aber die stilistischen Merkmale, die diese Gegend in Bregenzer Wald heraushebt aus der Alpenfolklore: die Designaffinität, eine charkateristische Verbindung aus Handwerklichkeit und architektonischem Minimalismus, sowie einem Jesaisquoi, das man mit dem zeitgenössischen Begriff Wholesomeness umschreiben müsste, die sprechen ganz unaufdringlich aus der Kollektion von B.K.-R. Spricht dort allerdings in der Sprache der Mode, also in Farbtönen und im haptischen Erleben. Im Look und im Feel. Man spürt den Bezau Vibe.
„Die Gegend um Bezau ist eine schnörkellose Gegend“, sagt Birgit. „Und die Leute sind auch schnörkellos, so ist unsere Art. Wir sind eher straight und ich glaube, das es uns dort auch immer um eine gute Funktion geht — aber stets mit guter Optik verbunden.“
So ist es, über die verwandschaftlichen Beziehungen hinaus, nur selbstverständlich, dass B.K.-R. ihre Kollektion bei MDC präsentieren, wo Susanne Kaufmann schon seit Anbeginn ein Zuhause in Berlin gefunden hat. Nebenbei teilt man sich hier ja auch noch die Vorliebe für Akronyme.
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